Interview

Auszug aus dem Eberner Türmer vom 28. Mai 2010

Interview - „Köpfe aus Ebern“ - „Die Eberner Freiwillige Feuerwehr“
Am ersten Mai wurde der Eberner Maibaum vom Feuerwehrverein aufgerichtet. Wir wollten mehr über die Eberner Freiwillige Feuerwehr (FFW) und den Feuerwehrverein erfahren und haben Herrn Appel (Kommandant) und Herrn Müller (Vereinsvorsitzender) um ein Gespräch gebeten.

Eberner-Türmer: Wie ist der FFW Verein entstanden?
Herr Müller: Früher gab es keine so klare Trennung zwischen Verein
und Feuerwehr. Der Kommandant war oft auch Vereinsvorsitzender.
Die beiden mussten aber aus versicherungstechnischen Gründen geteilt werden.
Es ist etwas schwierig, die Entwicklung von Verein und Wehr zu trennen, weil die Wehr ja aus einem Vereinsgedanken, der Selbsthilfe, heraus entstanden ist. Laut Chronik gab es 1863 die erste
Feuerlöschverordnung der Stadt Ebern. Offiziell gegründet wurde der Verein 1868. Sehr viele Wehren sind um diese Zeit herum entstanden. 1946 wurde der Verein wiedergegründet, der unter der NS-Herrschaft verboten gewesen war.

Eberner-Türmer: Was sind die Aufgaben des Feuerwehrvereins und wie hängen Verein und Wehr zusammen?
Herr Müller: Laut Satzung besteht der Verein, um aktive Feuerwehrleute zur Verfügung zu stellen. Die Rekrutierung erfolgt also
aus dem Verein. Der aktive Feuerwehrmann ist Mitglied im Verein.

Herrn Appel: Es kann aber auch vorkommen, dass jemand nicht im Verein ist!
Außerdem unterstützt der Verein die Wehr. Wenn z.B. eine Anschaffung sinnvoll erscheint, aber nicht zwingend notwendig ist, kann der Verein durch Spenden, Erlöse und Beiträge zur Anschaffung beitragen.

Eberner Türmer: Deckt der Verein Aufgaben ab, die die FFW nicht erfüllen darf?
Herr Müller: Der Verein richtet z.B. Feste aus. Wir finanzieren uns zum Teil darüber. Vom Erlös wird die aktive Feuerewehrarbeit unterstützt. Die so finanzierten Anschaffungen verbleiben auch bei der
FFW in Ebern. Manchmal muß man aufpassen, dass die so finnazierten Ausrüstungen nicht zu den 18 Feuerwehrvereinen der Teilgemeinden wandern

Eberner Türmer: Jede Teilgemeinde hat eine eigenen Feuerwehrverein?
Herr Appel: Ja, flächenmäßig sind wir im Landkreis die größte Feuerwehr. Aber wir sind auch bayernweit eine der größten Wehren, gemessen an der Einwohnerzahl. Insgesamt hat die Ebener Feuerwehr 500 aktive Mitglieder! Das stellt natürlich einen erheblichen Aufwand für die Stadt dar. Die Menge von 18 einzelnen Wehren ist aber auch sinnvoll, wenn man die Flächenausdehnung der Stadt Ebern in Betracht zieht.

Eberner Türmer: Wieviele Mitglieder hat der Eberner Verein?
Herr Appel: Der Verein hat insgesamt 145 Mitglieder. Davon sind 68 aktive Feurewehrleute. Die anderen sind Fördermitglieder. Dabei sind auch 9 Frauen!
Eberner-Türmer: Was sind die Aufgaben der FFW?
Herr Appel: Kurz: Schützen – Löschen – Retten – Bergen!

Eberner-Türmer: Und das bedeutet im Einzelnen?
HerrAppel: Zum Thema „Schützen“: Das bedeutet, v.a. hier in Ebern den Hochwasserschutz, oder auch Aufgaben des Katastrohenschutzes, wahrzunehmen. Im Katastrophenfall werden wir von höherer Stelle koordiniert und im Rahmen unserer Möglichkeiten eingesetzt.

Thema „Löschen“: Es gibt vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz. Vorbeugen bedeutet z.B. die Erziehungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Vorbeugen heißt auch, Räumungsübungen in Schulen etc. für den Brandfall abzuhalten. Hierzu analysieren wir die Räumlichkeiten im Vorfeld.
Im echten Brandfall beinhaltet die Branabwehr das Löschen und das Fernhalten von Brandübergriffen auf andere Gebäude.

Eberner-Türmer: Herr Müller, Sie sind Kaminkehrermeister
-da besteht sicher ein Zusammenhang zum Brandschutz?

Herr Müller: Ja. Es war bis vor Kurzem Vorschrift, dass der Kaminkehrermeister Mitglied der Wehr war. Wir sind beratend tätig, was den verbeugenden Brandschutz, v.a. baulich, betrifft. Durch unsere Ortskenntnisse können wir als Kaminkehrer oft hilfreiche Hinweise vor Ort im Brandfall geben.

HerrAppel: Weitere wichtige Aufgabe der FFW ist das „Retten“, also Personen-und Tierrettung in allen Notsituationen. Das erstreckt sich von der Rettung einer einzelnen Katze (lacht) bis hin zu wirklich lebensbedrohlichen Situationen, wie der Rettung von eingeklemmten PersonenbeiVerkehrsunfällen. DurchdiebeidenvielbefahrenenBundestrassen B279 und B303 erleben wir hier viele dramatische Situationen. Wichtigstes Hilfsmittel bei Verkehrsunfällen sind die hydraulische Schere und der Spreizer. Gerade läuft  bei der Stadt der Antrag auf eine neue Schere und wir offen, dass diese Investitionen kommt!
„Retten“ bedeutet auch, dass wir dem Rettungssanitäter Zugang zu
einer Wohnungverschaffen, wenn die gefährdtete Personnicht mehr im Stande ist, die Türe selbst zu öffnen. Wir helfen auch bei der Suche von Vermissten. Letztes Jahr hatten wir eine Vermißtenmeldung zu einer Personen mit Diabetes. Die Suche dauerte 10 Stunden.
„Bergen“ bedeutet die Bergung von Verstorbenen. Das wird begrifflich oft -v.a. in der Presse -mit „Retten“ von Lebenden verwechselt. Es kann aber auch das Bergen von Gegenständen bezeichnen. So haben wir z.B. mal einen Gabelstabler, der Öl verloren hat, aus einem Fluss geborgen

Eberner-Türmer: Wie ist die Ausstattung?

Herr Appel: Die Ausstattung ist in Teilen verbesserungswürdig. Es gibt zwei akute Punkte, wo es Neuinvestitionen geben muss: ein Fahrzeug ist jetzt über 30 Jahre alt und muss ersetzt werden. Ebenso ausgetauscht werden muss der komplette Rettungssatz, mit besagter Schere, der schon über 20 Jahre alt ist. Die Stadt bemüht sich, uns diese Dinge auch zur Verfügung zu stellen. Insgesamt sind wir gut recht gut ausgestattet, aber bei 500 Mann gesamt ist halt immer was
notwendig.

Eberner-Türmer: Was kostet denn so ein Fahrzeug?
Herr Appel: Zwischen 250-und 300.000 Euro. Wobei der Freistaat bis 80.000 Euro fördert.
Eberner-Türmer: Gibt es etwas, das die Eberner Feuerwehr technisch speziell auszeichnet?
Herr Müller: Wir haben hier den Rüstwagen für technische Hilfeleistungen, während die umliegenden Wehren „nur“ Löschfahrzeuge besitzen. Wir haben im Umkreis von 25 km die einzige moderne
Drehleiter mit Korb und wir haben eine Höhensicherungsgruppe. Eine weitere Besonderheit sind unsere Chemikalienschutzanzüge.

Eberner-Türmer: Gibt es bei der Feuerwehr in Ebern auch Hauptamtliche?
Herr Müller: Es gibt keine Hauptamtlichen! Alles sind Ehrenamtliche aus den verschiedensten Berufsgruppen.

Eberner-Türmer: Wieviel zeit investieren Sie denn etwa pro Woche?
Herr Appel: Es gibt Monate, wo ich einen Großteil der Woche für
die Feuerwehr aufwende. Als Kommandant habe ich viele Ausbildungs-, Planungs-und Verwaltungsaufgaben. Generell gilt, dass die Freiwilligen vom Arbeitgeber freigestellt werden sollen für Ausbildung und Einsatz.

Eberner-Türmer: Wie groß ist der Aktionsradius?

Herr Appel: Eigentlich ist es „nur“ das Stadtgebiet, was aber flächenmäßig ja sehr groß ist. Wir helfen aber auch in angrenzenden Gemeinden oder Landkreisen, wenn notwendig.

Eberner-Türmer: Wie arbeiten Sie mit den Feuerwehren der Stadtteilgemeinden zusammen?

Herr Appel: Die Kooperation, v.a in der Jugendarbeit ist gut. Eberner-Türmer: Wie ist die Kooperation mit der FTE-Werksfeuerwehr?

Herr Müller: Die ist ebenfalls sehr gut. Man hilft sich gegenseitig.
Die rücken für uns aus und umgekehrt. Ab einer gewissen Brandgröße rücken wir gemeinsam aus. Der aktuelle Kommandant der FTE-Werksfeuerwehr war vorher der Kommandant der Eberner Feuerwehr.

Eberner-Türmer: Was waren in letzten Jahren die größten Einsätze?
Herr Appel: Der Brand der Pfarrkirche war sicher spektakulär. Wobei die Frage ist, wie man „groß“ für einen Einsatz definiert. So gesehen sind die Vermißtensuchen die größten Einsätze.
Wir hatten einen Einsatz in einem „Messie“-Haus, wo wir containerweise schwelenden Müll mit Atemschutz rausschaffen mussten. Dieser Einsatz dauerte 12 Stunden und es 78 Atemschutzträger vor Ort. Wir hatten auch schwere Verkehrsunfälle, vor allem denke ich da an einen vorletztes Jahr bei Kraisdorf.

Eberner-Türmer: Wie funktioniert die Verständigung im Notfall man hört die Sirene immer seltener?
Herr Appel: Die funktioniert über Piepser. Handyalarmierung gibt es in Ebern nicht, es wird aber über dieses redudante System nachgedacht. Der Piepser ersetzt die Sirene.

Eberner-Türmer: Wie ist dann der Ablauf? Nachts? Am Wochenende?
Herr Müller: Es gibt Einsatzpläne für jedes Gebäude, jede Ortschaft. Generell ist es so, dass jeder Freiwillige bei jedem Einsatz mithelfen muss, es da also keine zeitliche Einteilung gibt. Es heißt zwar „Freiwillige“ Feuerwehr, die Freiwilligkeit bezieht sich aber nur auf die Entscheidung zum Ein-bzw. Austritt. Sobald einer dabei ist, muss er auch zur Verfügung stehen, wenn er gerufen wird. Allerdings hat jeder das Recht hat, jederzeit in den Urlaub zu gehen.

Eberner-Türmer: Nochmal zurück zum Verein -was sind denn noch Ihre Tätigkeiten?
Herr Müller: Was wir tun, ist z.B. den Florianstag mit Gottesdienst
ausrichten. Wir haben vor 3 Jahren angefangen, den Maibaum aufzustellen.

HerrAppel: Und der Verein hat massiv beim Neubau am Feuerwehrhaus mitgewirkt.
Herr Müller: Wir sind jedes Jahr beim Faschingszug mit eigenem
Wagen dabei. Am 15. August findet immer unser Sommerfest statt.
Repräsentation z.B. bei kirchlichen Umzügen ist ebenfalls unsere Aufgabe. Außerdem sorgen wir auch für das leibliche Wohl, die Versorgung bei langen Einsätzen. Noch erwähnen möchte ich auch
unsere Feuerwehrkapelle!

Eberner-Türmer: Danke für das Interview. Es war sehr interessant,
über die vielfältigen Aufgaben der Feuerwehr zu erfahren!